Zusammensetzung der Personengruppe

Grösstmögliche Vielfalt war das Ziel bei der Auswahl von 20 Frauen und 20 Männern mit ausserhäuslichem Engagement ü70. Unterschiedliche geografische Situation, Bildung, Tätigkeitsfelder, Alltagsvernetzung und materielle Lage waren gefragt. Es galt, ein möglichst grosses Spektrum realer Möglichkeiten abzubilden.

Interviewt wurden

20 Frauen und 20 Männer

Altersspanne zwischen 68 und 84, die Hälfte von allen zwischen 70 und 75

Partnerschaften und Kinder

  • 18 Männer und 9 Frauen leben in einer festen Partnerschaft
  • 11 Frauen und 2 Männer leben allein
  • 13 Frauen haben 1 - 4 Kinder; 7 keine
  • 17 Männer haben 1 - 4 Kinder; 3 keine

Verschiedene Studien (Europa, Kanada, USA) kommen zum Schluss, dass in der Altersgruppe 50 - 85 alleinlebende Frauen gesünder und zufriedener sind als verheiratete. Für Männer ist es genau umgekehrt: Verheiratete, bzw. in fester Partnerschaft lebende dieser Altersgruppe, sind zufriedener und gesünder als alleinlebende.

Zuletzt erreichter formaler Bildungsabschluss

2 Personen ohne Berufslehre

10 Berufslehrabschluss

3 Berufsschulen mit Diplomabschluss nach 1-2 Jahren

4 Höhere Fachschulen (nach Lehre oder ü18)

6 Pädagogische Ausbildungen

4 Fachhochschule (Höhere Technische oder Wirtschaftliche Lehranstalt)

11 Universität, ETH

Personen aller Stufen haben eine Vielzahl zusätzlicher formaler Aus- und Weiterbildungen absolviert, zum Beispiel zum Handwerker zum Meister, vom Juristen zum Anwalt. Es gibt auch konsekutive Doppelstudien, zum Beispiel am Lehrerinnenseminar und an der Dolmetscherschule. Oder zusätzliche Spezialisierungen, beispielsweise Osteopathie im Nachgang zu Physiotherapie.

Einbettung in den Arbeitsmarkt

7 Anstellungen (kleine und 100% Pensen)

7 Aufträge regelmässig/ kontinuierlich

9 Leitung des eigenen Unternehmens (Eigentümer:innen)

7 Selbständige Tätigkeit (ohne Angestellte)

6 Partnerstatus in Unternehmen

4 Ehrenamtliche regelmässige, kontinuierliche Verpflichtung

Die Übersicht spiegelt die Situation in den Haupttätigkeiten; in manchen Portfolios mischen sich Engagements in verschiedenen Strukturen (v.a. Selbständigkeit/Aufträge/Ehrenamt). Erwartungsgemäss sind reguläre Anstellungsverhältnisse selten; Unternehmen schicken ihre Mitarbeitenden im Referenzalter in den Ruhestand. Als grosse Ausnahme hat eine öffentliche Verwaltung einen 66Jährigen neu angestellt; im Altersheim arbeitet eine Gastrofachfrau im Service; ein Handwerker ist seit Jahren beim Käufer seines Gewerbebetriebs tätig; das Opernhaus beschäftigt eine ältere Platzanweiserin.
Auch die Gründung eines eigenen Unternehmens nach der Verrentung kommt vor.

Soziale Lage

Eine Reihe von Personen - Frauen und Männer - bestreiten ihr Leben mit einem kleinen Budget. Die verheirateten unter ihnen arbeiten parallel zu ihren Partnern; es kommen also zwei Löhne zusammen. Alle reden positiv über ihre Arbeit, erfahren Selbstwirksamkeit und Resonanz in ihrem Tun und sind nicht wider Willen engagiert. Klagen sind keine zu hören; alle erzählen selbstbewusst und detailliert, dass und wie sie - zum Teil schon in ihrer Jugend - gelernt hätten, mit wenig Geld den Alltag zu gestalten.
Eine Auskunft gebende Witwe mit einer Rente leicht unterhalb der offiziellen Armutsgrenze musste auf einen Wohnort mit günstigen Mieten ausweichen. Weil sie ihr überschaubares Vermögen frühzeitig an ihre Kinder weitergereicht hat, entfallen Ansprüche auf Ergänzungsleistungen. Sie stellt dies ohne Bedauern einfach fest.

Doch

  • zwei Personen erzählen, sie würden vermutlich nicht arbeiten, wären sie finanziell besser gebettet
  • zwei andere konstatieren, dass sie ihren jetzigen Lebensstil oder den Wohnort verlassen müssten, fiele das derzeit erzielte Einkommen weg

Die materielle Situation der Frauen in der untersuchten Gruppe ist erwartungsgemäss beengter als diejenige der Männer.

5. September 2025
Elisabeth Michel-Alder